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Trotz Krise: Rekordjahr für Aktionäre erwartet

Deutsche Unternehmen werden 2026 einen Dividenden-Rekord ausschütten. Doch was an Aktionäre fließt, steht für andere Zwecke nicht zur Verfügung.

3 Minuten Lesedauer

Blick von oben auf die Deutsche Börse in Frankfurt am Main. Credit: IMAGO/Eibner
Der Deutsche Aktienindex DAX ist der Leitindex der Deutschen Börse, beheimatet in Frankfurt am Main. Credit: IMAGO/Eibner

Die 160 öffentlich gelisteten Unternehmen in deutschen Aktienindizes (DAX, MDAX, SDAX) werden dieses Jahr rund 65 Milliarden Euro Dividenden an ihre Aktionäre auszahlen. Das sind der am gestrigen Montag vorgestellten Dividendenstudie 2026 der FOM Hochschule zufolge 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr und somit ein neuer Rekordwert. Insgesamt schütteten demnach 83 Prozent aller gelisteten Werte Dividenden aus.

Dieser Anstieg geht vor allem auf die 40 Unternehmen des DAX zurück, die ihre Dividendensumme um 4,9 Prozent auf knapp 55,5 Milliarden Euro steigern konnten. Zu den größten Dividendenzahlern zählen 2026 die Allianz mit 6,5 Milliarden Euro, die Deutsche Telekom mit 4,8 Milliarden Euro und Siemens mit 4,2 Milliarden Euro. Es sanken hingegen die Dividenden im MDAX (minus 2,2 Prozent) und im SDAX (minus 1,6 Prozent) sowie bei den Nebenwerten. Den Studienautoren zufolge sei das ein Indiz dafür, dass kleine und mittlere börsennotierte Unternehmen von der schwachen Konjunktur belastet werden. »Gerade im Mittelstand spiegeln sich die strukturellen Schwächen des Standorts Deutschland besonders deutlich wider«, sagte Eric Frère von der FOM Hochschule laut Pressemitteilung. 

Der Studie zufolge haben Unternehmen aus der Finanzbranche erstmals mehr Dividenden ausgezahlt als Unternehmen in der Automobilbranche. 2024 schütteten die Automobilbauer noch 18,3 Milliarden Euro aus, 2026 wurden nur noch 12,2 Milliarden Euro Dividenden angekündigt – ein Drittel weniger. Die Finanzbranche hingegen konnte ihre Dividenden im gleichen Zeitraum um 36 Prozent steigern, von 12,3 Milliarden auf 16,7 Milliarden Euro. »Dass die Schlüsselindustrie Automobil an Bedeutung verliert und durch den Finanzsektor ersetzt wird, ist mehr als eine Momentaufnahme. Das zeigt vor allem, wie stark sich die wirtschaftlichen Gewichte in Deutschland derzeit verschieben«, kommentierte Studienautor Christian Röhl diese Ergebnisse.

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Die Dividende ist die jährliche Ausschüttung von Kapitalgesellschaften an ihre Anteilseigner. Die Anteile der Aktionäre am Gewinn bestimmen sich nach ihren Anteilen am Grundkapital (§ 60 I AktG), in Euro pro Mindestnennwert oder in Prozenten des Nennwertes ausgedrückt. Die Dividende wird bei der Aktiengesellschaft aufgrund des Jahresabschlusses in der Regel vom Vorstand und Aufsichtsrat vorgeschlagen und von der Hauptversammlung beschlossen.

Quelle: Gabler Wirtschaftslexikon

Aus den Daten geht zudem hervor, dass die Ausschüttungsquote stabil geblieben ist. Dabei handelt es sich um das Verhältnis aus Dividendenbetrag und Jahresüberschuss je Aktie im der Zahlung vorangegangenen Geschäftsjahr. 56 Prozent der 160 Unternehmen schütteten ihren Aktionären bis zur Hälfte des Gewinns aus. 23 Prozent der Unternehmen zahlten zwischen 50 und 100 Prozent des Gewinns aus und 4 Prozent zahlten trotz Verlust eine Dividende. Anstelle von Dividendenzahlungen oder Aktienrückkäufen in Rekordhöhe könnten die Unternehmen die Mittel ins eigene Geschäft reinvestieren oder den Beschäftigten höhere Löhne zahlen. 


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