Es heißt oft, Deutschland sei ein Hochsteuerland. Doch die Frage ist: Von welchen Steuern reden wir eigentlich? Tatsächlich ist die Belastung von Arbeitseinkommen mit Blick auf die Einkommensteuer und die Sozialabgaben im internationalen Vergleich recht hoch. Schaut man hingegen auf die Besteuerung von Kapitaleinkünften, entsteht ein völlig anderes Bild. Zugespitzt könnte man auch sagen: Das deutsche Steuersystem macht es attraktiver, Börsencharts und Krypto-Wallets zu analysieren, als arbeiten zu gehen.
Zum Vergleich: Eine Person mit einem Arbeitseinkommen von 62.000 Euro pro Jahr zahlt neben Sozialabgaben durchschnittlich etwa 24 Prozent Einkommensteuer. Hierbei handelt es sich um »progressive« Besteuerung – der Steuersatz steigt also mit dem zu versteuernden Einkommen. Ganz anders sieht das bei Kapitaleinkünften aus. Eine Anlegerin, die jährlich 400.000 Euro an Aktiengewinnen erzielt, zahlt auf diese Einkünfte aktuell nur 25 Prozent Abgeltungsteuer (mit Soli circa 26,4 Prozent). Diese Abgeltungssteuer ist eine Art »Flat Tax«. Egal, wie hoch die Einkünfte sind: Sie werden immer mit demselben Steuersatz belegt. Hinzu kommt, dass auf dieses Kapitaleinkommen keine Sozialabgaben fällig werden. Vorschläge, dies zu ändern, wie vom damaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck im Jahr 2025 oder von der SPD Anfang dieses Jahres, werden regelmäßig als vermeintliche Kleinanleger-Enteignung abgeschmettert.
Das sind bereits enorme Privilegien für diejenigen, deren Einkommen primär aus der Performance ihrer Portfolios stammt. Sie werden aber noch in den Schatten gestellt von der Privilegierung einer anderen Art von Kapitaleinkünften: Krypto-Gewinnen. Denn Krypto-Investoren, die nach einem Jahr Mindesthaltedauer ihre Bitcoins verkaufen, zahlen auf ihre Gewinne, egal wie hoch diese ausfallen, überhaupt keine Steuern.
