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Das Wirtschaftsmagazin

Gender-Pay-Gap: Mutter sein ist das größte Risiko

Die Politik fordert mehr Arbeit von den Menschen. Dabei leisten vor allem Frauen enorm viel unbezahlte Arbeit.

4 Minuten Lesedauer

Credit: IMAGO/Zoonar

Die Bundesregierung – und insbesondere CDU-Vorsitzender Friedrich Merz – möchte, dass die Menschen in Deutschland größere Teile ihres Lebens der Arbeit für Unternehmen widmen. Er fordert »Fröhlichkeit an der Arbeit«. Getrübt wird diese Fröhlichkeit erstens durch die Tatsache, dass bereits so viel für Lohn gearbeitet wird wie noch nie. Zweitens haben die Menschen auch nach Dienstschluss jede Menge Haus- und Sorgearbeit zu erledigen. Diese Tätigkeiten bleiben noch immer zum Großteil an den Frauen hängen. 

Im Vorfeld des Equal Pay Day am 26. Februar hat das gewerkschaftsnahe Institut WSI zahlreiche Daten zum Stand der Gleichstellung in Deutschland analysiert. Die Bilanz ist gemischt – und zeigt, dass es auf absehbare Zeit weiter einen Tag braucht, an dem der sozialen Unterschiede zwischen Geschlechtern gedacht wird.

Die »Fortschritte«

Zunächst die positive Nachricht: Der Rückstand von Frauen bei Einkommen und Rente schrumpft. 2024 lag der Gender-Pay-Gap in Deutschland erstmals bei »nur« 16 Prozentpunkten. Damit blieb er allerdings weiter deutlich über dem EU-Durchschnitt von zwölf Prozentpunkten. Aktuell verdienen Frauen in Deutschland bei vergleichbarer Arbeit und Qualifikation durchschnittlich 4,10 Euro pro Stunde weniger als Männer. Zugleich müssen sich vollzeitbeschäftigte Frauen 1,5-mal so häufig wie ihre männlichen Kollegen mit geringen Einkommen begnügen, also mit weniger als 2530 Euro brutto im Monat. 

Frauen bleiben damit nicht nur abhängig von ihren Arbeitgebern, sondern auch von den Einkommen der Männer und von Sozialtransfers: Nur knapp die Hälfte aller abhängig beschäftigten Frauen kann die eigene Existenz langfristig aus eigenem Erwerbseinkommen sichern, so das WSI. Bei abhängig beschäftigten Männern gelingt das immerhin drei Vierteln. Schwieriger wird die Lage, wenn Kinder ins Spiel kommen: Ein langfristig existenzsicherndes Erwerbseinkommen für sich selbst und zusätzlich noch ein Kind – das schafft nur rund ein Drittel der abhängig beschäftigten Frauen sowie rund die Hälfte der Männer. Das belegt die Differenz zwischen den Geschlechtern ebenso wie die unzureichende Höhe der Löhne allgemein. 

Die Einkommenslücke kommt die Frauen im Alter teuer zu stehen. Trotz eines allmählichen Rückgangs in den letzten drei Jahrzehnten, ist der Gender-Pension-Gap laut WSI immer noch groß. Im Jahr 2023 erhielten Frauen im Durchschnitt eine um 43 Prozent niedrigere Alterssicherung als Männer.

Quelle: WSI Report Nr. 109

Die Stagnation

Während sich die Rückstände der Frauen bei Einkommen und Rente wenigstens verringert haben, stagniert die Geschlechterungleichheit auf hohem Niveau in den Kategorien Erwerbsbeteiligung, Teilzeitquoten sowie der Aufteilung von Haus- und Sorgearbeit. Die Zahlen zeigen zum einen die Benachteiligung der Frauen. Zum anderen zeigen sie aber auch, wie stark sich Kinder auf die Situation von Eltern auswirken – also auf Faktoren wie Erwerbsbeteiligung, die Arbeitszeitkonstellationen in Paarhaushalten, die Teilzeitquote, die Dauer der gewünschten Erwerbsarbeitszeit, die Gesamtarbeitszeit pro Woche oder die Verteilung von unbezahlter Haus- und Sorgearbeit. Die Gründung einer Familie hat tiefgreifende soziale Folgen. »Die Geschlechterungleichheiten fallen besonders deutlich aus, wenn Kinder mit im Haushalt leben«, schreiben die Forschenden. 

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Stephan Kaufmann

Stephan Kaufmann ist Wirtschaftsjournalist, verfasste einige Bücher und schreibt heute unter anderem für nd.DieWoche, Frankfurter Rundschau, Freitag und Deutschlandfunk.

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