Als die brasilianische Zentralbank PIX einführte, schuf sie nicht nur ein schnelleres Zahlungssystem, sondern gestaltete die Finanzinfrastruktur des Landes fast über Nacht neu. PIX ist eine allgemein zugängliche, kostengünstige öffentliche Alternative zu privaten Bezahl-Apps. Heute, da künstliche Intelligenz (KI) beginnt, eine ähnlich grundlegende Rolle in den Volkswirtschaften zu spielen, stellt sich eine vergleichbare Frage: Wer baut die Infrastruktur auf und regelt sie – und wer profitiert?
Im Silicon Valley wird KI nach wie vor weitgehend als Wettlauf betrachtet. Die Diskussion konzentriert sich auf Leistung und die Geschwindigkeit der Einführung. Im Mittelpunkt steht meist die Frage, welche Modelle sich durchsetzen und wer den Wert abschöpfen wird, wobei Risiken meist in technischer oder existenzieller Hinsicht definiert werden. Außerhalb Kaliforniens zeichnet sich jedoch eine andere Debatte ab. Dabei geht es weniger darum, wer gewinnt, sondern vielmehr darum, wie der Wettlauf selbst strukturiert ist und was dies für Volkswirtschaften und demokratische Systeme bedeutet.
In Brasilien, wo im Oktober wichtige nationale Wahlen stattfinden und die demokratischen Institutionen unter Druck stehen, beginnen Diskussionen über KI selten mit Leistungsindikatoren oder Marktanteilen. Sie beginnen mit der politischen Ökonomie. Politikerinnen und Politiker, Forschende und Akteure der Zivilgesellschaft fragen sich, ob KI bekannte Muster reproduzieren wird – bei denen Ressourcen, Arbeitskraft und Wissen abgezogen werden, während der Wert anderswo abgeschöpft wird – oder ob sie ausgewogenere Formen der Entwicklung fördern könnte.
