Der renommierte Ökonom Tom Krebs spricht sich in der aktuellen Surplus-Ausgabe zum Thema Wohnen für die Vergesellschaftung großer Wohnkonzerne aus. Das Besondere dabei: Er argumentiert nicht mit Marx, sondern mit Nachfrageeffekten. Adam Tooze ordnet in dieser Folge Krebs' Argumentation ein. Und er nimmt den Artikel zum Anlass, um über die Vergesellschaftung in Deutschland zu sprechen. Die ist laut Grundgesetz nämlich möglich, der Artikel wurde aber (noch) nie genutzt.

Transkript
Lukas Scholle: Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Video hier. Mein Name ist Lukas Scholle, ich bin Gründer und Chefredakteur von Surplus, und ich habe mit Adam Tooze über die Vergesellschaftung gesprochen. Die Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen ist in Berlin ein großes Thema, weil sich demnächst vielleicht in einer anderen Regierung in Berlin der wirtschaftspolitische Instrumentenkasten erweitern könnte, sodass der Staat vergünstigt Wohnungen von großen Privatkonzernen kauft und die dauerhaft in staatliche Obhut nimmt und damit natürlich den Mietpreis, die Wohnqualität und so weiter beeinflussen kann.
Dabei ist Vergesellschaftung nur ein Instrument, um den Wohnungsmarkt zu entspannen. Wir haben uns in der aktuellen Ausgabe über das Thema Mietenexplosion auch die weiteren Instrumente angesehen – und wie wir überhaupt erst in diese schreckliche Lage gekommen sind, dass die Mieten kaum mehr zum Leben reichen.
Adam, in unserer letzten Ausgabe über das Thema Wohnen gab es etliche spannende Artikel und einen, über den es sich besonders lohnt, zu sprechen, weil er schon ein kleiner Meilenstein in der deutschen Wirtschaftspolitik ist. Da hat sich der Wirtschaftsprofessor Tom Krebs für die Vergesellschaftung von Deutsche Wohnen und Co. ausgesprochen. Und Tom Krebs ist jetzt nicht irgendein VWL-Professor, sondern von der Uni Mannheim, also einer sehr renommierten VWL-Universität, und gar nicht so linksmarxistisch, wie man meinen könnte, sondern eher relativ neokeynesianisch in der Ausrichtung und mainstream-nah.
Und deswegen ist es besonders spannend, dass sich ein gestandener Volkswirt und Wirtschaftsprofessor für die Vergesellschaftung ausspricht. Und das eben nicht mit marxistischen Argumenten, sondern eher mit makroökonomischen: dass die Vorteile überwiegen, etwa bei Nachfrageeffekten, wenn die Leute dann mehr Geld im Geldbeutel haben, um das zu konsumieren, anstatt es sozusagen an Vonovia zu überweisen, oder dass es bessere Arbeitsmarktchancen gibt. Und deswegen die Frage: Wie blickst du darauf? Auf die Frage der Vergesellschaftung und auf diese Verschiebung in der deutschen VWL, wo sich quasi jetzt der Erste für eine Vergesellschaftung ausspricht?
Kostenlos freischalten
Kostenloser Account
- Zugang zu Artikeln, Newslettern und Videos
- Kein Zahlungsmittel notwendig
Mit der Anmeldung stimmst du unseren AGB & Datenschutzbestimmungen zu.
4 Wochen für 1 € – inkl. Print-Ausgabe
- Statt 12€
- inkl. Print-Ausgabe
- flexibel online kündbar