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Das Wirtschaftsmagazin

Privatstadt oder Weltall? Die Flucht der Tech-Milliardäre

Jenseits der Demokratie errichten Superreiche ihre eigenen Privatstädte. Hinter dem libertären Traum stecken egoistische Machtfantasien.

4 Minuten Lesedauer
Peter Thiel (l) und Elon Musk (r) im Vordergrund, im Hintergrund die Privatstadt »Próspera«. Collage: Surplus, Material: IMAGO/ZUMA Press Wire/Image Press Agency/ZUMA Press Wire
Peter Thiel (l) will sich auf »Próspera« abschotten, Elon Musk (r) im Weltall. Collage: Surplus, Material: IMAGO/ZUMA Press Wire/Image Press Agency/ZUMA Press Wire

Wovon träumen Milliardäre? Haben diejenigen, die sich  um Miete, Heizkosten und Entlassungen nicht sorgen müssen, überhaupt noch Träume? In ihren Investitionen stechen besonders solche hervor, die ihnen einen eigenen Raum verschaffen sollen: eine Sphäre außerhalb staatlicher Einflüsse, fernab von Kritik, Arbeitskämpfen und ethischen Standards. Ob digitale Nationen, schwimmende Städte oder eine neue Menschheit im All – Überreiche wollen sich von der bestehenden Welt lossagen. 

Die Projekte, in denen Milliardäre das Potenzial einer neuen, exklusiven Zukunft sehen, tragen bedeutungsschwangere Namen wie »Próspera«, »Praxis« oder »The Seasteading Institute«. Sie alle eint der Wunsch nach Abgrenzung und einer finanziellen Bestenauslese. So versteckt sich hinter »Próspera« das Projekt einer sogenannten »Sonderentwicklungszone« in der mittelamerikanischen Republik Honduras. Im Norden, rund 70 Kilometer vom Festland entfernt, liegt die honduranische Insel Roatán mitsamt ihren 30.000 Einwohnern. Die goldenen Sandstrände und das himmelblaue Meer waren längst von westlichen, oft tauchaffinen Touristen erschlossen, als 2013 das wohl größte Projekt des Landes begann: »Próspera«, spanisch für florierend, blühend wie auch wohlhabend. Dahinter verstecken sich diverse ausländische, teils unbekannte Investoren, die einen neuen Stadtstaat für ihresgleichen errichten wollen. Ihr Ziel ist die Verwirklichung des libertären Traums vom Minimalstaat, der Unternehmen und Investoren nach Belieben walten lässt und weder reguliert noch kontrolliert. Nach libertärer Denkschule kann sich der Mensch erst ohne staatliche Fesseln entfalten und ein neues Bewusstsein entwickeln. Ob in dieser Vorstellung Menschenrechte gegeben, Löhne fair und Arbeitsbedingungen rechtens sind, spielt keine Rolle mehr.

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Martin Seng

Martin F. Seng ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Bildungsreferent und freier Journalist. Er beobachtet die Interdependenzen von Medien, Propaganda und Politik.

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