Seit der Coronapandemie sind die Gehälter von CEOs weltweit bis 2025 inflationsbereinigt um 54 Prozent gestiegen, während die Reallöhne von Beschäftigten global um 12 Prozent gefallen sind. Das teilte die Hilfsorganisation Oxfam zum diesjährigen Tag der Arbeit am 1. Mai mit. Demnach verdienten CEOs 2019 noch durchschnittlich 5,5 Millionen US-Dollar im Jahr, 2025 aber bereits 8,4 Millionen US-Dollar. Oxfam zufolge müsste eine Beschäftigte im weltweiten Durchschnitt dafür 490 Jahre arbeiten. Beschäftigte hingegen verdienten 2025 real nur noch 17.156 US-Dollar statt 19.482 im Jahr 2019.
Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam sagte laut Mitteilung, die CEO-Gehälter explodierten geradezu: »Sie entkoppeln sich immer weiter von der Realität vieler Menschen, die sich ohnehin schon täglich fragen müssen, wie sie die Energiepreise, Mieten und Lebensmittel noch bezahlen sollen.« Diese »immer extremere Ungleichheit« sei auch »eine Gefahr für unsere Demokratie«.

In die Berechnung von Oxfam seien weltweit die 1500 bestbezahlten Unternehmen in 33 Ländern eingeflossen, die CEO-Vergütungen für 2025 offengelegt haben. Für die Berechnung der deutschen CEO-Gehälter wurden 25 CEOs aus den DAX-40-Unternehmen genutzt, deren Daten für die Jahre 2019 bis 2025 verfügbar waren. Das Reallohnniveau basierte auf Berechnungen des Statistischen Bundesamtes.
In Deutschland ist der Trend laut Oxfam ebenfalls beobachtbar. Zwar haben Beschäftigte hierzulande keine ganz so großen Reallohneinbußen zu verzeichnen wie weltweit – das Reallohnniveau liegt noch leicht unter dem Niveau von vor der Coronapandemie –, die Gehälter von 25 CEOs aus den 40 Dax-Unternehmen sind jedoch in derselben Zeit um 56 Prozent gestiegen. Im Durchschnitt war es laut Oxfam ein Anstieg von 4,5 Millionen auf 7 Millionen.
Kapital lohnt sich, Arbeit weniger
Weiter zeigt die Oxfam-Analyse von Investmentportfolios von fast 1000 Milliardären, wie sehr deren Vermögen auf Unternehmensausschüttungen beruht. 2025 erhielten sie demnach insgesamt 79 Milliarden US-Dollar an Dividenden. Ein durchschnittlicher Milliardär habe in weniger als zwei Stunden mehr an Dividenden verdient, als ein Beschäftigter im weltweiten Schnitt pro Jahr. So habe das Vermögen der Milliardärinnen und Milliardäre im Jahr 2026 mit einer Steigerung um 4 Billionen US-Dollar einen Rekord erreicht. Das Milliardärsvermögen übersteige das der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung um 1,5 Billionen US-Dollar.

Gleichzeitig sank der Anteil von Arbeitnehmenden am wirtschaftlichen Wohlstand, obwohl sie produktiver geworden sind. Während sie Oxfam zufolge im Vergleich zum Jahr 2004 insgesamt 51 Prozent mehr wirtschaftlichen Wert schaffen, erhalten sie einen um 2 Prozent geringeren Einkommensanteil.

Maßnahmen gegen extreme Ungleichheit
Um diese Entwicklung aufzuhalten, forderte die Hilfsorganisation Oxfam laut Mitteilung »eine Besteuerung Superreicher, die Einführung höherer Spitzensteuersätze, um maßlosen CEO-Gehältern entgegenzuwirken, sowie gerechte Löhne«. Denn, so Oxfam-Referent Manuel Schmitt, Milliardäre ernteten die Früchte der Arbeit, zahlten dabei aber oft geringere Steuersätze als Arbeitende. »Das ist nicht nur per se ungerecht, auch mangelt es Regierungen dadurch an Geld für dringend benötigte Investitionen in soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz«, so Schmitt weiter.
