»Nichts zu machen«, heißt es in Samuel Becketts berühmtem Stück Warten auf Godot – und auch das Warten auf eine »Superintelligenz« durch KI folgt der Dramaturgie dieses Meisterwerks des absurden Theaters. Diese vermeintlich unvermeidliche Super-KI soll unsere kognitiven Kapazitäten in allen Bereichen übertreffen. Sie soll wirklich selbst »denken« und »verstehen« und sogar ein eigenes »Bewusstsein« entwickeln (anstatt es, wie heutige KI-Systeme, nur zu simulieren). Die Superintelligenz ist ein Sci-Fi-Wesen, ein moderner Gott, eine Beschwörungsformel, also kurz: ein technologischer Godot.
»Nichts zu machen« – die Superintelligenz wird kommen –, zumindest sagen das ihre selbsterklärten Entwickler. Sam Altman, CEO von OpenAI, prognostiziert ihr Erscheinen bis spätestens 2030; Jensen Huang, CEO des Chipherstellers Nvidia, bis 2029. Demis Hassabis, CEO von Google DeepMind, hält sie ab 2028 für möglich; Dario Amodei, CEO von Anthropic, zwischen 2026 und 2028. Nur Elon Musk war in seiner Funktion als xAI-CEO wieder einmal zu technikoptimistisch: Schon 2025 sollte es so weit sein. Zuletzt korrigierte er sich. Nun sollen wir 2026 die Superintelligenz, die artificial general intelligence (AGI), die »starke künstliche Intelligenz« (KI) oder »Sentient AI« endlich erwarten können, unter welchem Namen sich das übermenschliche Update auch immer offenbaren wird. Klar ist: Die Superintelligenz kommt mal als Verheißung, mal als Drohung daher – aber immer als Chiffre der Extreme.
