Hinter der scheinbaren Verrücktheit von US-Präsident Donald Trumps transaktionalem, auf Einflussbereiche setzendem Ansatz in Bezug auf die Geopolitik und die Weltwirtschaft steckt Methode. Diese Logik wird nirgends deutlicher als bei der illegalen Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch Trumps Regierung und den anhaltenden Bemühungen, sich durch die Einsetzung eines Marionettenregimes die Kontrolle über die venezolanischen Ölreserven zu sichern.
Im Kern von Trumps Wiederbelebung der Monroe-Doktrin – der »Donroe-Doktrin«, wie er sie umbenannt hat – steht die Überzeugung, dass die USA in ihrem selbst definierten »Hinterhof« ungestraft handeln können und dass andere Großmächte, insbesondere China, dasselbe in ihrem Hinterhof tun können. Zugleich behalten sich die USA das Recht vor, ihre strategischen Interessen überall dort zu verfolgen, wo sie es für richtig halten, unter anderem auch in Grönland.
Dieser vom indischen Ökonomen Prabhat Patnaik treffend als »Gangster-Imperialismus« bezeichnete Ansatz erinnert an die kolonialen Wurzeln des Kapitalismus, als offenkundige Hierarchien zwischen Völkern und Staaten auf relativer Macht beruhten.
Abgesehen von den tiefgreifenden moralischen und rechtlichen Fragen, die Trumps Strategie aufwirft: Kann sie überhaupt funktionieren? Kann die Aufteilung der Welt unter den Großmächten, in einer Zeit, in der die Weltwirtschaft zunehmend volatil und steuerungslos erscheint, zu einem stabileren und dynamischeren Kapitalismus führen?
Im Zweifel mit Gewalt
Wenn man sich an der Geschichte orientiert, lautet die Antwort nein. In den letzten zwei Jahrhunderten schwankte der Kapitalismus zwischen Phasen intensiver Konflikte zwischen konkurrierenden Staaten und Phasen, in denen eine einzige dominante Supermacht sowohl als Regelsetzer als auch als Vollstrecker fungierte. Im 19. Jahrhundert wurde diese Rolle vom Vereinigten Königreich gespielt, das ein Kolonialreich aufbaute, das größer war als das seiner europäischen Rivalen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts nehmen weitgehend die USA diese Position ein.
Hegemonie bedeutete zwar nie das Ausbleiben von Kriegen, aber sie schränkte großangelegte interimperialistische Konflikte der Art, wie sie dem Ersten Weltkrieg vorausgingen, ein. Wladimir Lenin beschrieb sie als Kriege, in denen staatlich unterstütztes Privatkapital um die Kontrolle über Wirtschaftsgebiete kämpfte. Die relative Stabilität beruhte auf einer Kombination aus überwältigender Militärmacht und einem Rahmen globaler Regeln und Institutionen, der darauf ausgelegt war, geopolitische Rivalitäten in Schach zu halten.
Heute jedoch ist die imperiale Reichweite der USA sowohl überdehnt als auch im Schwinden begriffen. Trumps außenpolitische Agenda basiert auf der Ansicht, dass die von den USA angeführte Globalisierung zwar einst den Interessen des amerikanischen Kapitals – insbesondere der Finanzwelt – diente, ihre Erträge jedoch mit dem Aufstieg aufstrebender Mächte wie China zurückgegangen sind. Als Abhilfe schlägt er vor, sich auf militärische Dominanz und die verbleibende Wirtschaftskraft zu stützen, um sich die direkte Kontrolle über Ressourcen und Märkte in Regionen zu sichern, die er als zum ausschließlichen Einflussbereich der USA gehörig ansieht. Das bedeutet, dass man selbst den Anschein einer regelbasierten internationalen Ordnung aufgibt, die das Feigenblatt der Förderung von Demokratie und Menschenrechten abstreift und unverhohlen eine altbackene Doktrin der Ressourcenaneignung nach dem Recht des Stärkeren zur Schau stellt.
Kein Vorteil für die USA
Selbst nach ihren eigenen Maßstäben ist diese Strategie kaum erfolgversprechend. Sie ist nicht nur für US-Arbeitnehmer und kleinere Unternehmen eindeutig katastrophal, sondern schürt zudem Instabilität und untergräbt die langfristigen Interessen der amerikanischen Großkonzerne. Wirtschaftliche Ressourcen lassen sich nicht sauber in unterschiedliche Kontrollbereiche einteilen, und Märkte überschneiden sich naturgemäß. Wenn eine Macht versucht, ihre Dominanz an allen Fronten durchzusetzen, sind Streitigkeiten über Zugang, Grenzen und Kontrolle daher unvermeidlich, was die Wahrscheinlichkeit großer Kriege erhöht.
