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Das Wirtschaftsmagazin

Der globale wirtschaftliche Wandel wird lokal stattfinden

Die Zeiten ändern sich – die Wirtschaft muss es auch. Das erfordert globale als auch lokale Kraftanstrengungen.

3 Minuten Lesedauer

Die Industrie steht weltweit vor einer großen Transformation (Symbolbild). Credit: IMAGO/Westend61

Wir stehen am Beginn eines neuen Zeitalters: Der Klimawandel ist in vollem Gange, die Ära der Hyperglobalisierung neigt sich dem Ende zu, die Mittelschicht weltweit steht unter Druck, und die Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern sieht sich neuen Herausforderungen gegenüber. Selbst ohne die destabilisierenden Veränderungen, die durch die internationale Handels- und Außenhilfepolitik von US-Präsident Donald Trump hervorgerufen wurden, würde die Welt dringend nach neuen Lösungen suchen.

Um diese zu entwickeln, müssen die Regierungen die grundlegende Frage neu überdenken, wem unsere Volkswirtschaften und Märkte dienen sollen, und sie müssen die Politik und die Institutionen, die uns in die aktuelle wirtschaftliche und politische Lage gebracht haben, neu überprüfen. Zwar sind globale Zusammenarbeit und die Mobilisierung nationaler Ressourcen notwendig, um die Herausforderungen zu bewältigen, vor denen wir derzeit stehen, doch sind es lokale Maßnahmen, die den vielversprechendsten Weg in die Zukunft bieten.

In den Vereinigten Staaten und anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften hat die politische Gegenbewegung gegen die Globalisierung und multilaterale Institutionen ihre Wurzeln in den negativen Auswirkungen, die die Globalisierung und der technologische Wandel auf ehemalige Industrieregionen und mittelqualifizierte Arbeitnehmer hatten. In einem Umfeld wirtschaftlicher Not und zunehmend ungleicher Chancen sind protektionistische Tendenzen, Einwanderungsfeindlichkeit und eine Offenheit für ideologischen Extremismus entstanden. Die unzureichenden politischen Reaktionen der nationalen Regierungen unterstreichen die Notwendigkeit, wirtschaftliche Zwänge lokal durch eine Reihe von Maßnahmen anzugehen, darunter die Entwicklung der Arbeitskräfte, die Unterstützung kleiner Unternehmen, Reinvestitionen in die Gemeinschaft und die Förderung von Forschung und Entwicklung.

Stärkere Industriepolitik

Die stagnierenden Chancen für Arbeitnehmer mit mittleren und niedrigen Löhnen sind keineswegs ein Problem der reichen Länder. Tatsächlich nähern sich die Herausforderungen, denen sich entwickelte und sich entwickelnde Volkswirtschaften gegenübersehen, einander an, was bedeutet, dass wir unsere Herangehensweise an die regionale Wirtschaftsentwicklung überdenken und unsere Sichtweise auf die Industriepolitik erweitern müssen. Die konventionelle Industriepolitik muss an die aktuellen technologischen und geopolitischen Realitäten angepasst werden, darunter die vorzeitige Deindustrialisierung, die Herausforderung des Produktivitätswachstums im Dienstleistungssektor, die ungewissen Auswirkungen neuer Technologien und künstlicher Intelligenz sowie volatilere globale wirtschaftliche und geopolitische Bedingungen.

Diese Anpassung erfordert eine Ausweitung dessen, was wir als Industriestrategien betrachten, um ein breiteres Spektrum öffentlicher Beiträge und privater Interventionen einzubeziehen. Um Herausforderungen wie die Energiewende zu bewältigen, müssen wir neue Wege finden, um neue Technologien zu entwickeln und zu vermarkten, die Qualifikationen der Arbeitnehmer zu verbessern und denjenigen zu helfen, die möglicherweise ihren Arbeitsplatz in traditionellen Energiesektoren verlieren.

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Dani Rodrik

Dani Rodrik, Professor für internationale politische Ökonomie an der Harvard Kennedy School, ist ehemaliger Präsident der International Economic Association und Autor von »Shared Prosperity in a Fractured World« (Princeton University Press, 2025).

Gordon Hanson

Gordon Hanson ist Professor für Stadtpolitik, akademischer Dekan für Strategie und Engagement und Co-Direktor der Initiative »Reimagining the Economy« an der Harvard Kennedy School.

Rohan Sandhu

Rohan Sandhu ist Mitbegründer und Co-Direktor der Initiative »Reimagining the Economy« an der Harvard Kennedy School.

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