Anfangs hat Man-su noch eine glückliche Familie und mit einer großen Immobilie, zwei Kindern, Hunden, Klavier und Gewächshaus die Statussymbole der gut situierten koreanischen Mittelstandsfamilie. Noch dazu hat er Rückgrat, weigert er sich doch als Vorarbeiter in einem Papierunternehmen, eine Liste mit entbehrlichen Mitarbeitern zu erstellen. Und er hat eine Wahl: Er entscheidet sich dagegen, eine lebenslange Anstellung gegen die Nichtgründung einer Gewerkschaft einzutauschen. Die Konsequenzen spürt er schnell, selbst nach fünfundzwanzig Jahren Treue entlässt der Betrieb Man-su kurzerhand. Seine Existenz und die seiner Familie fallen langsam auseinander: Der Musikunterricht der begabten Tochter ist zu kostspielig, so auch die Tennisstunden der Mutter. Der Sohn wird beim Diebstahl erwischt, das Haus muss verkauft, das Auto in ein kleineres umgetauscht werden. Der größte Schlag für die Familie: Die Hunde müssen aus Kostengründen Haus und Hütte verlassen.
Doch Man-su versteht sich als Patriarch und Ernährer der Familie, und so drängt ihn der ökonomische Zwang zu geringfügigen Jobs, wie dem Einräumen von Getränkekisten. Zugleich versucht er, zu seinem geliebten analogen Papier zurückzukehren, und sobald der Jobmarkt es verlangt, muss er umgehend das nächste Bewerbungsgespräch annehmen. Nicht morgen, nicht später, sofort. Er ist gezwungen, alles stehen und liegen zu lassen und sich umgehend als die beste Wahl zu präsentieren und alle Mitbewerber auszustechen. Doch seine Erfolge bleiben aus, selbst dann, als er auf den Knien in einer Toilette um seine alte Anstellung bittet. Dass seine Frau schließlich selbst eine Stelle als Zahnarzthelferin annimmt und mit dem jungen Arzt eng umschlungen auf einer Feier tanzt, drängt Man-su zu einer drastischen Entscheidung: Er muss seine Mitbewerber ermorden, um wieder an Arbeit zu kommen. Nach der Sichtung seiner Konkurrenz verbleiben drei Namen, von denen er glaubt, sie töten zu müssen, um an Arbeit zu gelangen.
Nur Arbeit hat Wert
»No Other Choice« zeigt den Kampf um Arbeit und gegen die Willkür, die den Markt dafür bestimmt. Der südkoreanische Regisseur Park Chan-wook inszeniert diese verzweifelte Jagd nach einem Käufer der Arbeitskraft als bitterböse Satire, die im Verlauf die Züge eines Familiendramas annimmt. Leichter wie schwarzer Humor findet sich zwar immer wieder in Chan-wooks Filmografie, darunter moderne Klassiker wie »Oldboy«, »Die Taschendiebin« und »Joint Security Area«, doch ist sein neuester Film wohl am nächsten an der Komödie. Und während das Ökonomische in seinen Filmen meist nur unterbewusst ein Motiv neben vielen war, drängt es sich in »No Other Choice« mit einer Stärke in den Vordergrund, die alles vereinnahmt.
