»Abdul Kader Chahin heißt bei mir auf Arabisch: Vallah Billah, du kriegst die Wohnung nicht«, das sagte der Comedian und Satiriker Abdul Kader Chahin im 1Live-Podcast Stabile Nachbarn. In den Kommentaren hagelt es Zustimmung, zahlreiche Menschen berichten von ähnlichen Erfahrungen. Und ein Bericht über Rassismus auf dem Wohnungsmarkt belegt erneut: Menschen, die nicht weiß sind oder keinen für die Vermietenden weiß klingenden Namen tragen, werden systematisch benachteiligt.
Der aktuelle NaDiRa-Monitoringbericht mit Schwerpunkt Wohnen aus dem Dezember 2025 zeigt, wie schwer es rassistisch markierte Menschen auf dem Wohnungsmarkt haben. Die Diskriminierung beginnt schon bei der Wohnungssuche. Während Personen mit deutsch klingendem Namen mit einer Wahrscheinlichkeit von 22 Prozent zu Wohnungsbesichtigungen eingeladen werden, sinkt die Wahrscheinlichkeit mit einem Namen aus afrikanischen Ländern (ohne Nordafrika) auf 17 Prozent. Wer einen Namen aus Ländern des Nahen Ostens, Nordafrikas oder der Türkei trägt, hat nur eine Chance von 16 Prozent, überhaupt zur Besichtigung eingeladen zu werden.
Wenn es darum geht, eine Wohnung zu erhalten, sind die Unterschiede noch extremer. Bei nicht rassistisch markierten Personen ist die Wahrscheinlichkeit laut Bericht mit 5 Prozent sehr gering, dass sie eine Immobilie aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit nicht bekommen. Schwarze Personen erleben diese Diskriminierung mit einer Wahrscheinlichkeit von 36 Prozent. Bei muslimischen Personen sind es 30 Prozent. Menschen werden von jenen, die über Wohnraum verfügen, regelmäßig ausgeschlossen. Das ist besonders dramatisch, weil angemessener Wohnraum die Basis für ein menschenwürdiges Leben, für Sicherheit, Teilhabe und Entfaltung ist. Gleichzeitig ist es wenig überraschend, weil struktureller Rassismus in Deutschland bislang nicht ausreichend thematisiert und aufgearbeitet wird. Ob in der Schule, auf der Straße, bei der Arbeit, in Behörden, beim Arzt, gegenüber der Polizei: Menschen werden ausgegrenzt und diskriminiert, weil die weiße Dominanzgesellschaft rassistische Denkmuster verinnerlicht hat. Das gilt auch für den Wohnungsmarkt. Das zeigt nicht nur der neueste NaDiRa-Bericht aus 2025, sondern auch schon Untersuchungen, Gerichtsurteile, Feldforschung, Berichterstattung zuvor.
Diskriminierung hört nicht bei der Wohnungssuche auf
Umso gravierender ist es, dass es bei Haus & Grund als mächtigem Lobbyverein für privates Wohneigentum in Deutschland wenig Sensibilität für dieses Thema zu geben scheint. Wenige Tage nach dem Erscheinen des NaDiRa-Berichts gibt Erik Uwe Amaya, Verbandsdirektor in Rheinland‑Westfalen, WDR 5 ein Interview und meint, dass rassistische Diskriminierung von »schwarzen Schafen« unter den Vermietenden und Eigentümern ausginge. Auf die Nachfrage, ob es sich nicht um ein strukturelles Problem handele, lautet seine Antwort: »Nein, auf keinen Fall ein strukturelles Problem.« Ein Türchen lässt Amaya dann doch noch offen und meint, dass es bei den Vermietern, die nicht in seinem Verband organisiert seien, anders aussehen könne. Für die Mitglieder bei Haus & Grund legt er aber seine Hand ins Feuer: »Für unsere Haus-und-Grund-Mitglieder ist das kein Thema, zumindest nicht in dem Maße.« Na, wenn er sich da mal nicht verbrennt. Allein in NRW gehören Haus & Grund knapp 150.000 Mitglieder an, bundesweit sind es 945.000. Zur Einordnung: Es gibt etwa 5,2 Millionen Privatvermietende in Deutschland. Obwohl Haus & Grund im eigenen Leitbild schreibt, man würde sich gegen jede Form von Rassismus wenden, scheint man sich wenig damit auseinandersetzen zu wollen. Einmal mehr steht der Wunsch im Vordergrund, nicht als rassistisch zu gelten – und nicht die Aufarbeitung von Rassismus selbst.
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