Am Morgen des 27. Januar 2026 fahren Ermittler des Bundeskriminalamts an der Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank vor, rund 30 Fahnder durchsuchen Büroräume. Der Vorwurf: Verdacht auf Geldwäsche und verspätete Verdachtsmeldungen zu älteren Geschäften mit ausländischen Gesellschaften. Einen Tag später sitzt im selben Haus Christian Sewing auf dem Podium, das Logo in Blau hinter ihm, und sagt den Satz, der in allen Wirtschaftsteilen landet: 9,7 Milliarden Euro Vorsteuergewinn, der höchste der Konzerngeschichte, seine Bank habe »Maßstäbe gesetzt«. Vor ihm blättern Reporter durch Präsentationen, in denen »Rekordergebnisse« und »europäischer Champion« stehen. Draußen zur selben Zeit: Wirtschaftsforschungsinstitute, die das Wachstum für Deutschland für 2025 um die Null herum verorten und für 2026 bestenfalls einen knappen Prozentpunkt erwarten. In ihren Gutachten heißt es »Trippelschritte aus der Stagnation«. In Sewings Charts heißt es »zweistellige Rendite«, »steigende Ausschüttungen«.
Es ist, als liefen zwei Wirtschaftsgeschichten parallel – und nur eine davon ist ein Grund zu feiern. Die Deutsche Bank erzählt eine Story vom gelungenen Turnaround: aufgeräumte Bilanz, weniger Altlasten, disziplinierte Kosten. Hinter dieser Fassade steckt eine klare Logik: Die Zinswende, boomende Finanzmärkte und wachsende Vermögen treiben die Erträge nach oben; die Bank schlägt die Kosten zusammen und reicht einen immer größeren Teil des Gewinns nach oben durch.
