Die IG Metall ruft ihre Mitglieder zu Warnstreiks in der deutschen Metall- und Elektroindustrie auf. Dies sei eine Reaktion auf die Forderung der Arbeitgeber nach einem Reallohnverzicht für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten, teilt der Gewerkschaftsvorstand in Frankfurt mit. Erste Warnstreiks erwarte man nach Beschlüssen der regionalen Tarifkommissionen bereits in der Nacht zum Sonntag (1. November) mit dem Ablauf der Friedenspflicht.
»Das sogenannte Angebot der Arbeitgeber provoziert in den Betrieben nur Unverständnis und Wut. Deswegen werden die Beschäftigten mit starken Warnstreiks darauf reagieren«, erklärt die Gewerkschaftschefin Christiane Benner. Es gehe darum, Kaufkraft und Zukunft für alle am Standort zu sichern. »Die Arbeitgeber dagegen wollen den Menschen im Ergebnis Geld wegnehmen.«
5 Prozent gefordert
Die Gewerkschaft ist mit einer Forderung nach 5 Prozent mehr Geld und der tariflichen Sicherung von Jobs und Standorten in die Tarifrunde gegangen. Die Laufzeit sollte zwölf Monate betragen. Zu Beginn der zweiten Verhandlungsrunde haben die Arbeitgeber ein erstes Angebot mit 26 Monaten Laufzeit vorgelegt, das eine Einmalzahlung im kommenden Jahr und eine Stufenerhöhung von 1,3 Prozent im Juli 2028 vorsah. Begründet wurde die Offerte mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage und hohen Kostenbelastungen für die Industrie in Deutschland.
IG-Metall-Tarifvorständin Nadine Boguslawski verweist auf die anziehende Inflation. »Die Unternehmen lassen diejenigen hängen, die jeden Tag gute Arbeit in den Betrieben leisten. Das Angebot bedeutet eine Minus-Runde für die Beschäftigten und eine nachhaltige Schwächung der Wirtschaft.«
Quelle: dpa
Wie umfangreich werden die Warnstreiks?
Ausmaß und Dauer der Warnstreiks sind nicht absehbar. Sicher ist, dass es sie im ganzen Bundesgebiet geben wird. Laut dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall haben bei der vergleichsweise konfliktarmen Tarifrunde im Jahr 2024 knapp 290.000 Menschen in knapp 1.600 Betrieben an den Warnstreiks teilgenommen, die an elf verschiedenen Tagen stattfanden. Die Gewerkschaft hatte von mehr als 600.000 Beteiligten berichtet. Für die Organisation der Warnstreiks sind die Bezirke der IG Metall zuständig, die in Konkurrenz untereinander stehen, wo sich möglicherweise zuerst ein Verhandlungskompromiss mit den Arbeitgebern abzeichnet. In der Logik des Metall- und Elektrotarifs wird in einem »Pilotbezirk« ein Abschluss verhandelt, der in der Folge von den anderen übernommen wird.
Quelle: dpa
