Diesen Monat warnte die Europäische Zentralbank, dass die Abhängigkeit von fossilen Energien die makroökonomische Stabilität gefährdet – und der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas damit zu einer monetären Frage wird. Zentralbanken betreiben keine Kampagnen. Sie berechnen Risiken. Sie ziehen nicht gegen Katherina Reiches rückwärtsgewandte Energiepolitik auf die Straße, sie arbeiten mit Excel-Tabellen statt mit Transparenten.
Vor dem Hintergrund des Kriegs in Südwestasien stellen die Berechnungen der Zentralbank eine klare Diagnose: Das fossile Energiesystem selbst treibt die Inflation und untergräbt die wirtschaftlichen und monetären Grundlagen, auf denen Gesellschaften beruhen. Auf Basis der Preisszenarien des Internationalen Währungsfonds und gewichteter Verbrauchszahlen berechneten wir bei 350.org, dass selbst bei baldiger Normalisierung über 600 Milliarden an Mehrkosten durch Öl- und Gaspreissprünge entstehen bis Ende 2026. Bei andauerndem Konflikt steigt diese Summe auf über eine Billion – eine massive Umverteilung von unten nach oben und von öffentlichen Geldern in die Kassen der Öl- und Gasindustrie.

Die unmittelbare humanitäre Realität darf nicht hinter den ökonomischen Effekten verschwinden: Dieser Krieg, die US-amerikanischen und israelischen Bomben über dem Iran und dem Libanon, tötet Menschen und deren Existenzen. Zugleich legt der Konflikt die makroökonomischen Risiken fossiler Energien weit über die Region hinaus offen: Preisschocks bei Öl und Gas schlagen direkt auf Preise, Staatshaushalte und Haushaltsbudgets durch. 75 Prozent der Weltbevölkerung leben in Ländern, die Netto-Importeure fossiler Brennstoffe sind. Besonders hart trifft es die Menschen in ärmeren Ländern, die weltweit die Mehrheit bilden. Im Kern offenbart sich hier das Versagen eines globalen Energiesystems, das auf volatilen und geopolitisch verwundbaren Brennstoffen beruht.
