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Truger: Erhöhung der Mehrwertsteuer wäre »sozial und demokratiepolitisch fatal«

Um Entlastungen bei der Einkommensteuer zu finanzieren, wird eine Mehrwertsteuererhöhung diskutiert. Der Wirtschaftsweiser Achim Truger lehnt das strikt ab.

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Der Wirtschaftsweiser Achim Truger positioniert sich gegen eine mögliche Erhöhung der Mehrwertsteuer. Credit: IMAGO/IPON

Der Wirtschaftsweiser Achim Truger lehnt eine Erhöhung der Mehrwertsteuer ab. Wie er Surplus mitteilte, würde das »den privaten Konsum und die Binnennachfrage belasten«. »Damit würden die Kosten der gesamtgesellschaftlichen Krisen und Herausforderungen gerade auf die schwachen Schultern abgewälzt, die sie schlecht tragen können«, so der Wirtschaftsprofessor. »Das wäre sozial und demokratiepolitisch fatal.«

Truger betont, dass es gut sei, »wenn so langsam die Einsicht kommt, dass die riesigen Krisenlasten der Vergangenheit und die Herausforderungen der Zeitenwende sich nicht auf der Ausgabenseite hereinkürzen lassen«. Allerdings gehe der Vorschlag, den Haushalt durch eine höhere Mehrwertsteuer aufzufüllen, »in die völlig falsche Richtung«, da dies »kleine und mittlere Einkommen prozentual besonders stark« belasten würde. Hohe Einkommen hingegen würden mit der anstehenden Unternehmensteuersenkungen ab 2028 bereits entlastet. »Wenn das häufig bemühte solidarische ›Wir‹ keine hohle Phrase sein soll, bräuchte es auch eine solidarische Krisenfinanzierung, bei der die starken Schultern mehr tragen, etwa durch einen Krisen-Soli«, sagte der Wirtschaftsweiser.

Mehrwertsteuererhöhung wird konkreter

Zuvor war die Debatte um eine mögliche Mehrwertsteuererhöhung von 19 auf 21 Prozent erneut aufgekommen. Wie das Handelsblatt berichtete, soll die Regierung derzeit diskutieren, ob Entlastungen über die Einkommensteuer oder Sozialversicherungsbeiträge über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer gegenfinanziert werden könnten. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete, schloss auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eine solche Erhöhung nicht aus. Er sagte demnach in der Regierungsbefragung im Bundestag: »Wir schließen nichts aus. Aber wir haben ein klares Ziel, und das klare Ziel heißt Entlastung der Arbeitnehmerhaushalte und der Betriebe.« Informationen der dpa zufolge soll das SPD-geführte Finanzministerium derzeit nicht planen, eine Mehrwertsteuererhöhung vorzuschlagen. Das Ministerium rechne jedoch auf Bitten des Bundeskanzleramts derzeit verschiedene Modelle durch.

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) warnte der dpa zufolge vor einer Erhöhung. »Ich glaube, das ist sehr schwierig und Gift für die Wirtschaft, für den Konsum und vor allem eine weitere Belastung der Bürgerinnen und Bürger«, sagte sie bei RTL/ntv. Ifo-Präsident Clemens Fuest hingegen bezeichnete eine Mehrwertsteuererhöhung im Handelsblatt als »vernünftigen Schritt, der Anreize für Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands erhöht«. »Kürzungen in nicht prioritären Bereichen« seien dennoch nötig. Ebenfalls begrüßte der neue Wirtschaftsweiser Gabriel Felbermayr eine höhere Mehrwertsteuer. Es könne »durchaus sinnvoll sein, die Mehrwertsteuer zu erhöhen und mit den Einnahmen schädlichere Steuern oder Abgaben zu senken«.

Bereits im Februar sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), dass er mit einer solchen Anpassung rechne – auch wenn er diese ablehne. Auch Table.Briefings berichtete zu dem Zeitpunkt, dass in der Bundesregierung intern über eine Erhöhung diskutiert werde. Demnach habe ein »Mitglied des Koalitionsausschusses [...] unlängst gemutmaßt, dass am Ende nur diese Option übrigbleibe, wenn die SPD weiter Einsparungen im Sozialstaat und die Union jede Steuererhöhung ablehnt«.


Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 18. Februar 2026 und wurde am 26. März aktualisiert.

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