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Das Wirtschaftsmagazin

Sachsentrance: »Die Club-Kommerzialisierung hat ihren Peak erreicht«

Kommerz, TikTok, steigende Preise: Die Technoszene verändert sich rasant. Das Sachsentrance-Kollektiv hat eine klare Haltung dazu – und einen Plan.

10 Minuten Lesedauer
Das Sachentrance-Kollektiv als Gruppe gemeinsam am Bahnhof Schlesisches Tor, unter anderem Lea Gerlach (Mitte) und Pico Warmt (rechts oben). Credit: Sachsentrance
Das Sachentrance-Kollektiv, das unter anderem Lea Gerlach (Mitte) und Pico Warmt (rechts oben) gegründet haben, setzt sich gegen Kommerzialisierung der Trance-Szene ein. Credit: Sachsentrance

Techno war einst ein Versprechen: Die Tanzfläche sollte ein Raum für alle sein, der Kapitalismus draußen bleiben. Dass von diesem Ideal immer weniger übrig ist, beobachten auch Lea Gerlach und Pico Warmt vom »Sachsentrance«-Kollektiv. DJ, Bookerin und Veranstalterin Lea alias The Jakob Sister und DJ und Gründungsmitglied Pico alias Raverpik kritisieren die Entwicklung unter anderem in den sozialen Medien. Mit Surplus haben sie über die Kommerzialisierung und »Tiktokisierung« der Szene, ihre Zukunft und darüber gesprochen, was Sachsentrance anders machen will.

Xenia Miller: Was eure Partys von anderen – gerade im Technobereich – unterscheidet, ist, dass sie so viel Spaß machen und nicht alles so bierernst ist. Wie schafft ihr es, so eine Atmosphäre zu kreieren?

Lea Gerlach: Weil wir die Partys machen, auf die wir Lust haben, es ist unser Herzensprojekt. Wir betrachten Sachen gerne humoristisch und nehmen uns selbst nicht zu ernst. Ich glaube, das überträgt sich auch auf die Partys.

Pico Warmt: Ja, vielleicht ist da auch ein gewisser Selbstzweck. Wir wollen uns auf unseren eigenen Veranstaltungen ja auch nicht langweilen. Deswegen gestalten wir sie so, dass es für uns witzig ist – und dementsprechend auch für alle anderen.

Was wollt ihr mit euren Partys erreichen?

Lea Gerlach: Den Spaß zurück auf den Dancefloor bringen. Eine Community schaffen, energetische Musik spielen und einfach eine gute Zeit haben.

Pico Warmt: Unser aller Alltag ist ja oft sehr verkopft und komplex. Der Partykontext ist natürlich eine Möglichkeit, daraus zu fliehen und den Hedonismus in den Vordergrund zu rücken. Deswegen macht es nicht so viel Sinn, auf einer Party lediglich ernste Themen zu reproduzieren. Dementsprechend ist es sinnvoller, Dinge humoristisch darzustellen und den Leuten eine Umgebung zu bieten, wo sie sich fallen lassen können.

Ist das schwieriger geworden?

Lea Gerlach: Der Bedarf danach ist auf jeden Fall gewachsen – die Realität wird ja schwerer, also wird auch das Bedürfnis, ihr zu entfliehen, größer. Aber generell ist es auch schwerer geworden: Elektronische Musik, Techno und besonders auch der Trance-Bereich werden gerade krass kommerzialisiert. Als wir angefangen haben, hätte ich nie gesagt, dass eine andere Party unsere Konkurrenz ist. Aber inzwischen denken viele so, weil man sich auch gegen Konkurrentinnen durchsetzen muss, hinter denen große Firmen mit viel Geld stehen. Und der Endkonsument weiß meistens nicht, ob es ein kleines Independent-Label ist oder ein großer Musikkonzern dahintersteckt.

Ich hatte euch immer als linkes Projekt verstanden.

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Lea Gerlach

Lea Gerlach alias The Jakob Sister ist Trance-DJ. Sie hat das Sachsentrance-Kollektiv und -Label mitgegründet.

Pico Warmt

Pico Warmt alias RaverPik ist DJ aus Leipzig. Er ist Mitglied des Sachsentrance-Kollektivs.

Xenia Miller

Xenia Miller ist Online-Chefin vom Dienst (CvD) bei Surplus. Sie hat Politikwissenschaften, Soziologie und Politische Theorie studiert und bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gearbeitet.

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