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Das Wirtschaftsmagazin

Der Traum der Wirtschaftsdemokratie

Die Bürgerrechtsbewegung forderte einst auch wirtschaftliche Teilhabe. Denn ohne Wirtschaftsdemokratie bleiben Bürgerrechte ein leeres Versprechen.

4 Minuten Lesedauer

Adam Tooze im Portrait im Vordergrund, im Hintergrund Menschen, die demonstrieren. Collage: Surplus, Material: picture alliance/Ger Harley/EdinburghElitemedia, Unseen Histories
Collage: Surplus, Material: picture alliance/Ger Harley/EdinburghElitemedia, Unseen Histories

Die Rede von Martin Luther King beim Marsch auf Washington am 28. August 1963 gilt zu Recht als einer der großen Momente in der Geschichte der modernen Demokratie. King forderte politische Gleichberechtigung für die schwarze Bevölkerung der Vereinigten Staaten – Nachfahren von Sklaven, die ein Jahrhundert zuvor in einem blutigen Bürgerkrieg befreit worden waren, aber im Süden weiterhin unter Bedingungen lebten, die der Apartheid ähnelten.

King forderte Bürgerrechte. Weniger im kollektiven Gedächtnis verankert ist jedoch, dass diese nicht auf das Wahlrecht oder die Gleichheit vor dem Gesetz beschränkt waren, sondern auch wirtschaftliche Rechte umfassten. Der Marsch auf Washington im August 1963 war ein Marsch für Arbeit und Freiheit.

In der Bürgerrechtsbewegung der USA wurde deutlich: Demokratie ohne wirtschaftliche Demokratie ist ein leeres Versprechen. Forderungen nach Mitbestimmung am Arbeitsplatz und in Unternehmensentscheidungen, nach demokratischer Kontrolle makroökonomischer Politik, nach Jobgarantien, Grundeinkommenssystemen, Umverteilung durch Steuern, Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung und Wohnen drücken eine grundlegende Wahrheit aus: Wer Wirtschaft und Bürgerrechte als getrennte, grundverschiedene Sphären behandelt, entleert die Demokratie ihres Inhalts und macht die Wirtschaft und ihre »Sachzwänge« zu einem Bereich der »falschen Notwendigkeit«.

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Adam Tooze

Adam Tooze ist Herausgeber von Surplus und Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Columbia University in New York.

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