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Das Wirtschaftsmagazin

Zeit ist Wohlstand – doch die Union versteht das nicht

Wer längere Arbeitszeiten fordert, nimmt Menschen Erholung – und die Möglichkeit sich zu beteiligen.

5 Minuten Lesedauer

Credit: IMAGO/Cavan Images

Wohlstand zeigt sich in gebräunter Haut, Segeln als Hobby oder dem Spielen eines Musikinstruments. Urlaub in der Sonne, ein Boot und Musikstunden sind aber teuer. Es sind Statussymbole, die nach außen finanziellen Wohlstand signalisieren sollen.

Doch in diesen Beispielen steckt eine weitere Dimension, die in der Wohlstandsdebatte oft unsichtbar bleibt: Zeit. Um in den Urlaub zu fliegen, braucht es Urlaubstage, für das Segeln ein freies Wochenende und für das Musikinstrument Zeit zum Üben.

Die Art und Weise, wie wir unsere Zeit gestalten können, zeigt mindestens genauso deutlich unseren Platz in der Gesellschaft wie das Einkommen. Denn teure und zeitintensive Hobbys können eher diejenigen pflegen, die dann und wann auf Arbeitsstunden verzichten können, seltener mehrere Jobs gleichzeitig, weniger Dauerstress und oft auch weniger Verpflichtungen im Privaten haben. Freizeit wird dann tatsächlich zu Freizeit, die sich frei gestalten lässt, und nicht nur zur Regeneration für den nächsten Arbeitstag dient.

Die Union erklärt Freizeit zum Luxus

Dass Freizeit mehr sein sollte als nur die Zeit zwischen zwei Arbeitstagen, scheinen Teile der CDU nicht zu sehen. Freizeit taucht in ihren Vorschlägen zur Arbeitszeitgestaltung nicht etwa als ökonomische Dimension auf, sondern als moralische Kategorie: als »Lifestyle«, Bequemlichkeit und etwas, das man sich verdienen müsse. 

Das zeigte sich zuletzt erst am Beispiel der Idee des Wirtschaftsflügels der CDU (MIT), die – wie sie es nannten – »Lifestyle-Teilzeit« einzuschränken. Teilzeit solle nur noch dann als Rechtsanspruch gelten, wenn besondere Gründe vorliegen, etwa Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen. Wer aus anderen Gründen kürzertreten will, müsse mit den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern verhandeln, ohne gesicherten Anspruch.

Der Vorschlag ist zwar in Reaktion auf große Kritik abgeschwächt worden, er passt aber zur allgemeinen Linie der CDU: längere Arbeitszeiten. Wenn es nach dem Bundeskanzler ginge, sollten Erwerbstätige 48 Stunden pro Woche arbeiten. Zwar schlägt die Union vor, diese Stunden auf die Woche verteilen zu können – was die Freizeitgestaltung sicherlich flexibler macht –, im Schnitt sollen es aber mehr Stunden sein. Das bedeutet gleichzeitig: weniger Zeit für Freizeit.

In beiden Vorschlägen steckt die Annahme, Bürgerinnen und Bürger seien zu bequem. Sie seien nicht produktiv genug und würden ihre Freizeit »falsch« nutzen. Als wäre weniger Arbeitszeit in erster Linie eine Lifestyle-Entscheidung und ein Luxusproblem derjenigen, die einfach lieber ausschlafen. Aber: Freizeit ist etwas anderes.

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Marie Vandenhirtz

Marie Vandenhirtz macht ihren Master in Sozioökonomie und interessiert sich besonders für Care, Arbeit und Migration. Sie hat ein Semester an der New School for Social Research studiert und arbeitet als freie Journalistin.

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