Warum verfängt autoritäre Politik gerade dann so gut, wenn das Leben teurer, unsicherer und schwerer wird? Die Philosophin Eva von Redecker erklärt den neuen Faschismus nicht nur als Reaktion auf Krisen, sondern als politisches Angebot: Härte, Souveränität und falsche Besitzansprüche. Im Gespräch mit Surplus spricht sie über »Phantombesitz«, die Zumutungen des Alltagskapitalismus, die Faszination rechter Erzählungen – und darüber, warum eine glaubwürdige linke Politik das bessere Leben spürbar machen muss.
Maxine Fowé: Frau von Redecker, Sie schreiben in Ihrem neuen Buch vom »Drang nach Härte« im neuen Faschismus. Was meinen Sie damit?
Eva von Redecker: Mit dem Drang nach Härte spiele ich auf den autoritären Charakter an, und ich meine dabei zwei Dinge. Einmal ein diffuses, geteiltes und durchaus zutreffendes Gefühl: dass man sich mehr wappnen muss, weil das Leben schwieriger, härter, teurer wird. Zweitens meine ich eine spezifische Härte, die der Faschismus dem obendrauf setzt. Anstatt reale Krisen zu adressieren, erklärt er die Tatsache, dass es hart ist, zum Naturgesetz. Er schlägt sich auf die Seite des Überlebens des Stärkeren.
Eva von Redecker: Dieser Drang nach Härte
Über den neuen Faschismus. Erschienen am 11.03.2026 bei S.FISCHER.
Und er gibt die Lizenz zu einer ganz spezifischen Härte, nämlich der des geprellten Eigentümers, der sich rächen darf. Dabei geht es aber nie um echtes Eigentum, sondern um verschobene Ansprüche. Diese Logik des Eigentums im Ausnahmezustand ist meiner Meinung nach das Spezifische, das den Faschismus als Politikform ausmacht.
Sie nennen dieses verschobene Eigentum »Phantombesitz«. Was ist damit gemeint? Und können Sie dafür ein konkretes Beispiel nennen?
