Weihnachten ist zwar weit weg, aber das neue Buch des Ökonomen Daniel Stelter mit dem Titel Absturz: So retten wir Deutschland lässt an Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte denken. Spoiler alert: Die Stimmung in beiden Büchern ist wenig besinnlich. In Dickens’ Geschichte zählt für den Kapitalisten Scrooge nur die Arbeitskraft, nicht der Mensch. Stelter ist in seinem Buch ein Scrooge, der die Deutschen auf schwierigere Zeiten einschwört – und sie mit Vorschlägen, die auf massive Reallohnkürzungen hinauslaufen, auch aktiv herbeiführen will. Während er sich als warnende Stimme inszeniert, offenbart sein oberflächliches Stichpunkt-Stakkato seine eigenen Vorurteile und einen gefährlichen Mangel an sorgfältiger Analyse. Das hilft am Ende nicht Deutschland, sondern der einzigen Gruppe, die von seinem Rundumschlag verschont bleibt: den Reichsten.
Seeing Like A Business
BWL ist nicht VWL. Absturz lässt sich jedoch als Versuch lesen, gesamtwirtschaftliche Herausforderungen mit einer betriebswirtschaftlichen Logik anzugehen. Dieser Versuch misslingt, aber auch das könnte aufschlussreich sein. Das ökonomische Programm Stelters ist schnell erklärt: Er möchte weiter intern abwerten, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, und dabei Staat und Sozialsysteme schleifen.
