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Das Wirtschaftsmagazin

To buy European or not to buy?

Die EU steht vor einer Grundsatzfrage. Doch »Buy European« als auch »Made with Europe« folgen Regeln, die längst nicht mehr gelten.

5 Minuten Lesedauer

Katherina Reiche (m) lehnt die »Made in Europe«-Initiative des EU-Industriekommissars Stéphane Séjourné (l) ab. Credit: IMAGO/Metodi Popow

In Berlin und Brüssel ist eine Grundsatzdebatte über die wirtschaftspolitische Ausrichtung Europas entbrannt. Im Kern geht es um die Frage, ob die EU ihre Märkte gezielt zugunsten heimischer Produktion schützen soll – oder ob sie ihre traditionelle Offenheit bewahren und nur punktuell nachjustieren sollte.

Armin Steinbach, Chefvolkswirt im Bundesfinanzministerium, argumentiert, dass das Ideal des freien Handels unter den aktuellen geopolitischen Bedingungen ohnehin faktisch nicht mehr existiere. Die USA betrieben mit »America First« eine strategisch ausgerichtete Industriepolitik, China setze Exportkontrollen und Marktmacht gezielt ein. Offene Märkte funktionierten nur, wenn sich alle an gemeinsame Regeln hielten und wirtschaftliche Abhängigkeiten nicht als Druckmittel missbraucht würden – beides sei derzeit nicht gewährleistet.

Vor diesem Hintergrund plädiert Steinbach für ein »Buy European«. Ziel sei es, kritische Abhängigkeiten bei Energie, Mikroelektronik, Rohstoffen oder Medikamenten zu verringern, industrielle Kapazitäten zu sichern und technologische Souveränität aufzubauen. Lokale Nachfrage könne Skaleneffekte und Innovation befördern, zudem ließen sich klima- und sicherheitspolitische Ziele integrieren. Kurzfristig entstünden höhere Kosten, langfristig könne Europa jedoch Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz gewinnen. Internationale Anschlussfähigkeit solle durch eine kluge Ausgestaltung gewahrt bleiben.

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»Buy European« bezeichnet industriepolitische Instrumente, die eine Bevorzugung von in der EU produzierten Gütern vorsehen – etwa durch verbindliche Local-Content-Vorgaben, Quoten in der öffentlichen Beschaffung oder Anreize für Unternehmen, Vorleistungen innerhalb der EU zu beziehen. Ziel ist es, strategische Wertschöpfungsketten in Europa zu sichern und Abhängigkeiten zu reduzieren.

»Made with Europe« setzt demgegenüber auf einen offeneren Ansatz: Neben EU-Staaten sollen auch Länder mit Freihandelsabkommen oder als »gleichgesinnt« definierte Partner einbezogen werden. Verbindliche Quoten würden enger begrenzt oder nur subsidiär eingesetzt, um Handelspartner nicht auszuschließen.

Demgegenüber warnt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche vor einer Überdehnung dieses Ansatzes. Sie lehnt weitgehende Quoten für europäische Inhalte – auch im Privatsektor – sowie Eingriffe in ausländische Investitionen ab und betont die Bedeutung offener Märkte für ein exportorientiertes Land wie Deutschland. Ihr Gegenentwurf »Made with Europe« zielt darauf, nicht nur EU-Staaten, sondern auch Partnerländer mit Freihandelsabkommen einzubeziehen und neue Handelspartner nicht durch zusätzliche Vorgaben zu verschrecken. Maßnahmen zur Stärkung der Unabhängigkeit sollten aus ihrer Sicht nur subsidiär greifen, wenn andere Instrumente wie Rohstoffpartnerschaften oder Förderprogramme nicht ausreichen.

Richtige Analyse, trotz falscher Ausgangsprämissen

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Die Ignoranz des Westens und der Aufstand des Globalen Südens. Erschienen am 2. Februar 2026 im Westend Verlag.

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Die Argumentationslinie aus dem Finanzministerium und Teilen der EU-Kommission signalisiert zwar eine vorsichtige Abkehr vom marktliberalen Dogma. Gleichzeitig bleibt sie dessen theoretischem Ausgangspunkt verhaftet. Armin Steinbach knüpft an die Vorstellung einer idealen Welt regelgebundener Märkte an, in der komparative Vorteile allen Ländern Wohlstandsgewinne ermöglichen. Dieses Leitbild prägte über Jahrzehnte die Erzählung einer »regelbasierten Ordnung«, von der letztlich alle profitieren sollten. Doch die empirische Bilanz fällt deutlich ambivalenter aus, denn gerade außerhalb Asiens hat die Integration der Länder des Globalen Südens in die Wertschöpfungsketten und Finanzströme eher für Chaos als für Wachstum gesorgt.

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Patrick Kaczmarczyk

Dr. Patrick Kaczmarczyk ist Ökonom an der Universität Mannheim und Redakteur bei Surplus. Im Februar 2026 erscheint sein Buch »Zerfall der Weltordnung« im Westend Verlag.

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