Ende April nahmen in Santa Marta, Kolumbien, zwei Monate nach Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran, 59 Länder an der ersten hochrangigen Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen teil. Die Teilnehmer waren sich einig, dass Dekarbonisierung mehr sei als nur Energiesouveränität. Sie bedeute, »eine neue Wirtschaft aufzubauen […], die Gemeinschaften ermächtigt«, um Stientje van Veldhoven, die niederländische Wirtschafts- und Klimaministerin und Mitorganisatorin der Veranstaltung, zu zitieren.
Der deutsche Staatssekretär im Umweltbundesamt, Jochen Flasbarth, versicherte den Anwesenden, dass die Länder »widerstandsfähiger« aus der grünen Transformation hervorgehen würden.
Wege zur Dekarbonisierung
Diese Transformation, so argumentierten wir im Jahr 2025, ist eine Frage der makrofinanziellen Regime: der Kombinationen aus geld-, fiskal- und finanzpolitischen Institutionen, die die Entscheidungen zur Dekarbonisierung prägen. Länder können die Dekarbonisierung durch einen »Big Green State« planen, die Risiken privater grüner Investitionen à la Bidens US-Inflation-Reduction-Act mindern, der private Greentech-Hersteller und Energieerzeuger mit Steuergutschriften überschüttete, oder aber dem Markt erlauben, den Wandel als Reaktion auf höhere CO₂-Preise voranzutreiben – in einer von uns als »CO₂-Schocktherapie« bezeichneten Vorgehensweise.
Letzteres erinnert an die Schocktherapie der 1990er Jahre, die den postsowjetischen Volkswirtschaften auferlegt wurde, wobei staatliche Unternehmen durch Preisliberalisierung und die Abschaffung von billigen Krediten, Subventionen und Steuervergünstigungen der Marktdisziplin unterworfen wurden. Ohne staatliche Unterstützung würden der Marktwettbewerb und der Preismechanismus gute von »schlechten«, ineffizienten Unternehmen trennen – oder, in einem Klimakontext, grüne von »schmutzigen« Unternehmen.
